 10.11.2009 - Projektwoche zum Thema Demen 2009
Gefühle und Bedürfnisse erkennen, benennen und reflektieren
In den Schuhen des anderen gehen ö Projektwoche zum Thema Demenz im St. Franziskus Berufskolleg, Hamm
19 Pflegehelferschüler widmeten sich eine Woche dem Kommunikationsmodell "angewandte Empathie", das ihnen die Verhaltensmuster desorientierter Menschen am eigenen Erleben verdeutlichte.
Die SchülerInnen zeigten sich sehr beeindruckt von dem Film von Marion Kainz ³Der Tag, der in der Handtasche verschwand". Die sehr deutlich sichtbaren Gefühle der Protagonistin ³Frau Mauerhof" wurden Diskussionsgrundlage für die ersten beiden Theorie Tagen. Hier, wie auch in dem weiteren Projektwochenverlauf wurden die Gefühle und Bedürfnisse am eigenen Erleben überprüft und nach Übereinstimmung hinterfragt.
Das ³Blindenfrühstück" brachte neben sehr viel Spaß auch einige Aha-Erlebnisse:
Wie verloren man sich fühlen kann, wenn keine direkte Ansprache erfolgte, in einer Gemeinschaft, die man optisch nicht mehr einordnen konnte.
Der Geschmackssinn veränderte sich. Der Tastsinn, das Hörvermögen und der Geruchssinn wurden sensibilisert.
Ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl entwickelte sich.
Geräusche wurden vermehrt wahrgenommen und es wurde deutlich, wie sich die Orientierung an den vorherigen Wahrnehmungen anlehnte.
Die Hinwendung zu den Empfindungen alzheimererkrankter Menschen, deren Kurzzeitgedächtnis nicht mehr vorhanden ist, legt die Vermutung nahe, dass desorientierte blinde Menschen ganz besonders auf ein sicheres und vertrauensvolles Miteinander angewiesen sind. Da ihre Wahrnehmung, die sich ja notgedrungen auf die Erinnerungen aus der Vergangenheit berufen, zu dramatischen Assoziationen der Geräusche führen können. So zum Beispiel das klirrende Klappern der Geschirrwagen und lautes Türenschlagen ö können Kriegserinnerungen wachrufen.
Zwei Tage blieben um die Erkenntnisse dieser Projektwoche für den ³Tag der offenen Tür" am Samstag auszuarbeiten und für eine Präsentation vorzubereiten.
Einige Schülerinnen entschieden sich Fingerfood anzubieten.
Andere zeigten in kleinen Theaterpassagen empathische Beispiele aus der leichten, mittleren und schweren Demenz
Die Erkenntnisse des ³Blindenfrühstücks" wurde an Schautafeln aufgezeichnet und erläutert.
In Rollenspielen zeigten einige Schülerinnen, wie durch das ³Spiegeln" ein Gleichklang der Wellenlänge erreicht werden und wie aus einer Konfliktsituation empathisch herausgeführt werden kann.
Alle SchülerInnen waren sehr zufrieden mit der Resonanz der Besucher ihrer Klasse und konnten sich über großen Applaus freuen.
Kommentare einiger SchülerInnen zur Projektwoche:
· Mir hat die Projektwoche Demenz vieles gebracht. Vor allem, wie man sich in Menschen hineinfühlt, Gefühle übernehmen und auf sie eingehen kann. Es war wirklich interessant zu erfahren, wie man diesen Menschen helfen kann, aus ihrem leidenden Gefühl heraus zu kommen. Ich hatte vor dieser Projektwoche keine Ahnung und auch ein Stück Angst auf solche Menschen zu treffen, geschweige denn, mit ihnen ein Gespräch zu führen, ich dachte, das sei unmöglich. Jetzt fühle ich mich bestärkt in meiner Rolle als Hilfskraft für Menschen mit Demenz.
· Mir hat die Woche sehr viel gebracht. Ich fühle mich jetzt auch sicherer, wenn ich an das Praktikum in der Geriatrie denke. Ich weiß jetzt, wie ich mit Demenzerkrankten Menschen umgehen kann und kann mich besser in ihre Gefühle, Lage hineinversetzen. Z.B.: bei der Aussage: ³Ich will zu meinen Kindern". - Danke für alles.
·viele, viele neue Erfahrungen. Ich weiß jetzt, was ich im Umgang mit desorientierten Menschen falsch gemacht habe und weiß jetzt, wie ich ihnen begegnen und gewisse Situationen entschärfen kann. - Danke.
· Das Spiegeln war sehr lehrreich und hat uns gezeigt, wie man Situationen lösen kann. Wir denken, dass wir dieses auch in unserem weiterem Leben anwenden werden. Das Zeichnen der Hände war eine gute Erfahrung und hat uns über uns selbst nachdenken lassen. ö Liebe Grüße
Im Hinblick auf das Praktikum werden die SchülerInnen, ihre Erfahrungen aus der Projektwoche für die Begleitung desorientierter Menschen in die Praxis umsetzen können.
Alle guten Wünsche begleiten sie.
Ulla Johr Mennigmann Projektleitung
|