 12.06.2005 - Kunst als Brücke zum Verständnis
Malprojekt "art brut" Desorientierte Bewohner malen im Hause Husemann, Unna.
AlzheimerLeben e.V. beginnt das Malprojekt "art brut" (zwei x pro Woche bis Ende Juli 2005).
Vier Schülerinnen des Ernst Barlach Gymnasiums, Unna, wurden empathisch vorbereitet, sie begleiten gemeinsam mit Ulla Mennigmann den Malprozess der Bewohner des Seniorenheimes .
Ohne Zwang und Vorgaben werden Bilder geschaffen. Hier gibt es keine formalen Gesetze. Gefühl und Gestaltung allein bestimmen den Prozess. Leinwand, Pinsel, Farben, die Bewegung der Hände beim Auftagen der Farben - alles im Fluss.
Ein spannender Prozess für die Akteure, aber auch für die Begleitenden.
Die ersten beiden Bilder sind entstanden:
Hierzu ein kleiner Einstieg:
Mit Kleister, Gouache-Farben, mit Händen und Pinsel aufgetragen.
Akteure
1. Frau S. Beruf: OP-Schwester hat schon gemalt
Bild 1, 10.6.2005
Frau S. möchte ein Gesicht malen. Sie will es auch mit dem Kleister versuchen, hat aber einige Schwierigkeiten, nimmt es aber ganz gelassen. Ein Gesicht , ein Hals und drei Knöpfe. Jetzt kommt in Blau die Augen, Augenbrauen, Oberlid und Unterlid, die Nase Nasenlöcher, der Mund. Frau S. lacht, ihr gefällt das Malen. Während des Malenprozesses entsteht ein Körper im Gesicht, aus dem Hals werden die Ohren, die innen liegen. Dann sollen noch Haare entstehen. Schwarze Haare. Kreide ist für die Haare und die Pupillen nicht intensiv genug. Aber es ist kein Problem für Frau S. Jetzt kommt Gelb ins Spiel - blonde Haare. Frau S. ist fertig, zufrieden mit ihrem Bild und freut sich auf das nächste Mal.
2. Frau H., Beruf: Damenschneiderin
Bild 1. 10.6.2005
Frau H. möchte ein abstraktes Bild malen: Da kann man nichts verkehrt machen!. Sie malt ausgiebig mit Kleister und mit Freude auf Aquarell-Papier. Dann möchte sie mit Gelb weitermalen sie tupft behutsam und schiebt vorsichtig auf dem Kleister die Farbe im Kreis herum. Konzentriert mit einem Lächeln auf den Lippen. Als nächste Farbe wählt sie ein helles Rot und geht weiter vorsichtig tupfend ins Zentrum. Eine dazukommenden alte orientierte Dame meint, dass es ein Ohr oder die Leber sein könnte. Für Frau H. ist es eine Kuh. Als nächste Farbe entscheidet sie sicht für ein Braun. Das Braun setzt sie in das Orange mit horizontaler Begrenzung. Jetzt ist ihr die Bildaussage zu dunkel, sie möchte heller werden. Weiß ist für sie richtig. Der dunkle Bereich wird durch weiße Tupfer aufgehellt.
Jetzt ist Frau H. zufrieden, von einer Kuh ist nicht mehr die Rede, ihr abstraktes Bild ist fertig. -------------------------------
Wir werden in Abständen den weiteren Verlauf des Projektes dokumentieren.
Herr Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna, hat die Schirmherrschaft für das Projekt "Kunst als Brücke zum Verständnis" übernommen.
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